„Die TelefonSeelsorge ist Ort hoch identitätsstiftenden und qualifizierten Engagements und Stabilisator in akuten Krisen.“ Mit diesen Worten fasste Dr. Mirjam Zimmer vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung (zap) der Ruhr-Universität Bochum bei einer Veranstaltung am 29. Oktober 2025 in Nürnberg die Ergebnisse einer Studie zur Evaluation der Arbeit der TelefonSeelsorge in Bayern zusammen.
Erstmals wurde mit dieser Studie eine wissenschaftlich begleitete Evaluation der TelefonSeelsorge vorgenommen. Über 800 Personen, davon 582 Ehrenamtliche, sowie sehr viele Netzwerkpartner und auch Träger beteiligten sich an der Umfrage der 17 bayerischen TS-Stellen.
Professor Matthias Sellmann (zap) bezeichnete die TelefonSeelsorge als wichtigen „Lernort für Kirche und Gesellschaft“, an dem sich „die Kirche der Zukunft“ zeige. Denn die TelefonSeelsorge sei Trägerin eines „grundlegenden Versprechens: Wenn dir das Leben und seine Herausforderungen zu groß werden, bist du nicht allein“. Der Sinn und die Aufgabe von Kirche bestünde darin, dass dieses Versprechen eingehalten werde und Grundwerte wie Solidarität, Nächstenliebe und Respekt vor der Würde jedes Menschen wirksam blieben.
Die Befragung zeigte eine außerordentlich hohe Zufriedenheit der ehrenamtlich Mitarbeitenden, die sich durch die Ausbildung hochqualifiziert sehen und auch später professionell begleitet werden. Über zwei Drittel der Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt bei 57 Jahren. Diese „Bestager“ seien ein Potenzial, das es zu fördern gelte, so die Studie.
Auch die Träger und andere Beratungsdienste bringen der TelefonSeelsorge in Bayern eine hohe Wertschätzung entgegen und beurteilen die Arbeit als hochwertig und kompetent: „TelefonSeelsorge ist eminent wichtig und wirksam zugleich“. Alle Befragten sprechen der TelefonSeelsorge neben der psychosozialen Beratung in vielen weiteren Fragen Kompetenzen zu. Sie ist sehr oft erste Anlaufstelle bei (suizidalen) Krisen oder psychischen Belastungen ebenso wie in spirituellen Fragen oder bei Einsamkeit, die sich als immer größere gesamtgesellschaftliche Herausforderungen zeigt.
Die Studie betont den Vorbildcharakter der TelefonSeelsorge, insofern sie unaufdringlich aber präsent Religion als eine wichtige Ressource für Ratsuchende und in Krisen zur Verfügung stellt. „Die TelefonSeelsorge ist ein fester Anker für Kirche und Gesellschaft. Die Kirche würde aufhören, Kirche zu sein, wenn sie dieses Angebot einschränken oder aufgeben würde“, resümierte Professor Sellmann (zap). Dabei ist die ökumenische Zusammenarbeit bei der TelefonSeelsorge eine gelebte Selbstverständlichkeit.
Gesamtgesellschaftlich sticht TS als Angebot hervor, das Seelsorge und Beratung miteinander verbindet. Religion und Spiritualität stehen aus- wie unausgesprochen als Ressource zur Verfügung. In einer Zeit gesellschaftlicher Verwerfungen und ausgrenzender Parolen, steht die TS in Wort und Tat für Offenheit und Humanität. Sie ist ein relevanter Pfeiler demokratischer Kultur und ein wertvoller Dienst der Kirche für eine humane Gesellschaft.
Nicht zuletzt macht die Studie auch die Herausforderungen einer zukunftsfähigen TelefonSeelsorge deutlich. Vielerorts sind die Bedingungen bereits heute angesichts rückläufiger Kirchensteuereinnahmen angespannt, doch „Wertschätzung braucht auch Mittel“.
Die Studie „Hier liegt die Kirche der Zukunft“ ist hier abrufbar.